Definition und Einteilung der Gonarthrose
Die Gonarthrose, auch als Kniearthrose oder Arthrose des Kniegelenks bekannt, ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die durch den fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels im Knie gekennzeichnet ist. Sie ist eine der häufigsten Ursachen für Knieschmerzen im Erwachsenenalter und kann in bestimmten Berufen mit hoher Kniebelastung (z.B. Fliesenleger, Gärtner) als Berufskrankheit anerkannt werden.
Einteilung nach betroffenem Kompartiment
Die Gonarthrose wird je nach Lokalisation des Knorpelschadens im Kniegelenk eingeteilt:
- Pangonarthrose: Arthrose, die das gesamte Kniegelenk betrifft.
- Mediale Gonarthrose (Varus-Gonarthrose): Betrifft den inneren (medialen) Teil des Gelenks, oft in Verbindung mit einem Genu varum (O-Bein).
- Laterale Gonarthrose (Valgus-Gonarthrose): Betrifft den äußeren (lateralen) Teil des Gelenks, oft in Verbindung mit einem Genu valgum (X-Bein).
- Retropatellare/Femoropatellare Gonarthrose: Arthrose an der Rückfläche der Kniescheibe (Patella).
Symptome der Kniearthrose
Die Symptomatik der Gonarthrose entwickelt sich typischerweise langsam und schleichend.
Initiale Symptome
- Anlaufschmerz: Ein charakteristischer Schmerz zu Beginn einer Bewegung, der sich bei fortgesetzter Aktivität bessert.
- Morgensteifigkeit: Gefühl der Steifheit im Kniegelenk, besonders nach Ruhephasen.
- Belastungsschmerz: Schmerzen, die bei starker oder längerer Belastung wie Treppensteigen oder langem Gehen auftreten.
- Gelenkschwellung, die sich besonders abends bemerkbar macht.
Symptome im weiteren Verlauf
- Nacht- und Dauerschmerz (Ruheschmerz).
- Zunehmende Beugekontraktur des Gelenks.
- Inaktivitätsatrophie der Oberschenkelmuskulatur, insbesondere des M. quadriceps femoris.
Aktivierte Gonarthrose
Eine aktivierte Gonarthrose stellt eine akute entzündliche Episode dar, die durch eine Reizung der Gelenkinnenhaut (Synovialitis) ausgelöst wird. Sie ist durch folgende Zeichen charakterisiert:
- Starke Ruhe- und Bewegungsschmerzen.
- Deutlicher Gelenkerguss.
- Überwärmung und Rötung des Gelenks.
- Stark eingeschränkte Beweglichkeit.
Diagnostik bei Gonarthrose
Körperliche Untersuchung
Die klinische Untersuchung ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik. Wichtige Befunde sind:
- Inspektion: Beurteilung von Achsenfehlstellungen (Genu varum/valgum), Gelenkkontur, Muskulatur und Gangbild.
- Palpation: Typisch ist ein Druckschmerz über dem betroffenen Gelenkspalt. Das Zohlen-Zeichen (Schmerz bei Anspannen des Quadrizeps gegen Widerstand bei verschobener Patella) kann bei retropatellaren Knorpelschäden positiv sein.
- Funktionsprüfung: Überprüfung des Bewegungsumfangs nach der Neutral-Null-Methode und Feststellung von Bewegungseinschränkungen oder Kontrakturen.
- Gelenkerguss: Ein Erguss kann durch das Phänomen der "tanzenden Patella" nachgewiesen werden. Eine häufige Begleiterscheinung ist die Baker-Zyste, eine Aussackung der Gelenkkapsel in der Kniekehle.
Bildgebende Verfahren
Die Röntgenaufnahme des Kniegelenks in zwei Ebenen unter Belastung ist das Standardverfahren zur Bestätigung der Diagnose. Typische radiologische Arthrosezeichen sind eine Gelenkspaltverschmälerung, subchondrale Sklerosierung, Osteophytenbildung (Knochenanbauten) und Geröllzysten. Ergänzend können Sonografie, MRT oder CT zum Einsatz kommen, um Weichteilstrukturen und den Knorpel detaillierter zu beurteilen.
Therapie der Gonarthrose
Die Behandlung zielt primär auf die Schmerzlinderung, den Funktionserhalt und die Verbesserung der Lebensqualität ab.
Konservative Therapie
Die Basistherapie umfasst nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen. Dazu gehören Physiotherapie zum Muskelaufbau, Gewichtsreduktion, physikalische Maßnahmen (Kälte/Wärme) und die bedarfsweise Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) zur Schmerz- und Entzündungshemmung.
Interventionelle und operative Therapie
Bei unzureichendem Erfolg der konservativen Maßnahmen kommen operative Verfahren in Betracht:
- Arthroskopie: Gelenkspiegelung zur Knorpelglättung (Débridement) oder für Knorpelersatzverfahren wie die autologe Chondrozytentransplantation (ACT).
- Umstellungsosteotomie: Bei Achsenfehlstellungen (z.B. Valgisierungsosteotomie bei Varusgonarthrose) zur Korrektur der Beinachse und Entlastung des betroffenen Gelenkkompartiments.
- Kniegelenksprothese (Knie-TEP): Der endoprothetische Gelenkersatz ist die definitive Lösung bei fortgeschrittener Gonarthrose mit hohem Leidensdruck. Je nach Ausmaß der Arthrose werden verschiedene Prothesentypen eingesetzt, von der medialen Schlittenprothese bis zur kompletten Oberflächenersatzprothese (Knie-Totalendoprothese).
- Arthrodese: Die operative Versteifung des Kniegelenks ist eine seltene Ultima-Ratio-Option, z.B. nach Protheseninfektionen.